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buch7-Kulturbahnhof

Hintergründe zur Schließung unserer Abendküche

Teure Renovierung, unendlich viel Arbeit, Corona-Schließungen, defekte Heizung, Ukraine-Krise, steigende Lebensmittelpreise, unklare Zukunftsaussichten: Wir hätten uns im Nachhinein einen besseren Zeitpunkt aussuchen können, unsere gastronomischen Angebote auszubauen. 

Am Anfang stand eine einfache Idee: Im buch7-Kulturbahnhof sollen sich Menschen zu Kulturveranstaltungen oder einfach nur zum Gespräch über Gott und die Welt gemütlich treffen können. Und es wäre doch schade, wenn der Hunger solche angeregten Gespräche vorzeitig beenden würde. Also war klar: Wir ergänzen unser Bio-Café um ein Bio-Bistro bzw. ein Bio-Restaurant.

Gesagt, getan: 2021 startete unser Bio-Bistro mit großem Einsatz, überschaubarer Karte und viel Liebe zu regionalen, biologischen und handgemachten Gerichten. Der erste Sommer lief durchaus vielversprechend, aber auch von vielen Kinderkrankheiten begleitet, ganz so einfach war es eben doch nicht, einen gastronomischen Betrieb aus dem Boden zu stampfen. Schnell war klar: So nebenbei läuft das nicht, wir brauchen eine etwas größere Karte und mehr Personal, wer will denn schon in ein "halbes Restaurant" (unser Bistro) gehen, wenn es so viele gute "ganze Restaurants" in der Umgebung gibt.

Entsprechend ging es dann im März 2022 (nach einer erneuten Corona-Pause) mit Vollgas weiter: Mehr Personal, größere Karte, natürlich aber auch höhere laufende Kosten und mehr Lebensmitteleinkauf. Wir waren ja schon einigermaßen krisenerprobt und daher trotz allem zuversichtlich. Im März, April und Mai waren wir auf einem guten Weg, zwar mit hohen Investitionen und einem entsprechend deutlichen Anlauf-Verlust, aber mit einem sehr positiven Trend. Der Plan war es, im Sommer in die schwarzen Zahlen zu kommen, um für den mutmaßlich schwierigeren Corona-Winter wenigstens etwas Rücklagen aufbauen zu können. 

Tatsächlich hat aber dann ab Juni die Ukraine-Krise voll auf uns durchgeschlagen. Höhere Lebensmittel- und Energiepreise zwingen uns alle zum sparen. Da drängt es sich vielen auf, beim Essen gehen zu sparen, wohl ganz besonders beim Bio-Essen. In Folge gab es zahlreiche Abende, an denen zwar bezahltes Personal, aber kaum Kunden vor Ort waren. Und auch viele knackige regionale Salate haben nicht ihren Weg auf den Teller gefunden, sondern mussten anderweitig - zwar sinnvoll, aber nicht kostendeckend - verwertet werden. Zudem konnten wir beim schnellen Wachstum auch noch nicht alle Kinderkrankheiten hinter uns bringen, so dass wir unsere eigenen hohen Qualitätsansprüche nicht immer voll umsetzen konnten.

Die vermeintlich ertragreichen Sommermonate, die wir nach Jahren von Corona-An-Aus, vielen Investitionen und hohen Kosten gebraucht hätten, um unsere dringend benötigten Reserven für den Winter anzulegen, fielen also ins Wasser (nur leider nicht beim Wetter). Die Aussichten waren ebenso alles andere als rosig: Schon im Sommer hohe Corona-Zahlen, Mindestlohn-Erhöhung im Oktober (wir zahlen gerne großzügige Löhne, müssen diese aber auch irgendwie verdienen), Mehrwertsteuer-Erhöhung im Januar und dann noch für jeden zweiten die äußerst saftige Gas-Nachzahlung im neuen Jahr - da braute sich in unserer Vorausschau ein außergewöhnliches Unwetter zusammen.

In dieser Lage standen wir nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit an und für unsere Abendküche vor schweren Entscheidungen: Noch tiefer in die schon gut geleerten Kassen greifen, um noch ein weiteres Jahr Monat für Monat tausende Euro zuzuschießen? Noch mehr Zeit, Geld und Energie in unsere Abendküche stecken, die gerade verständlicherweise bei vielen auf der schmerzlichen Kürzungsliste recht weit oben steht?

Letztendlich ist auch die Abendküche nur eines von vielen Angeboten im buch7-Kulturbahnhof. Und so sehr sie aus unserer Sicht gut ins Konzept gepasst hätte, so macht es die Welt auch nicht besser, wenn Personal und Lebensmittel für Kunden bereit stehen, die gerade verständlicherweise andere Sorgen und andere finanzielle Prioritäten haben. Die Abendküche hat uns überraschend viel Zeit und Geld gekostet und tatsächlich wurden und werden viele andere Angebote im buch7-Kulturbahnhof besser angenommen. Da war es für uns trotz viel Herzblut für die Abendküche irgendwann eine unvermeidliche Erkenntnis, dass wir uns mehr auf die Angebote konzentrieren müssen, mit denen wir mit einem möglichst tragbaren Aufwand möglichst viel für unsere Mission bewegen können.

Und in dieser Hinsicht stehen Buchladen, Café, Frühstück und unsere vielseitigen gemeinnützigen Veranstaltungen einfach besser da. Wenn wir unbegrenzte Zeit und unbegrenztes Geld hätten, würden wir natürlich auch die Gastronomie gerne weiterführen. Aber mit begrenzten Sponsorings und ansonsten auf die Einnahmen aus den laufenden Angeboten angewiesen, können wir keine Wunder wirken und müssen mit dem arbeiten, was wir haben und was uns unsere Kunden und Sponsoren zukommen lassen. Und wenn wir am Ende um einen Euro in der Gastronomie zu verdienen, teils einen halben Euro noch oben drauf legen müssen, dann funktioniert dieses "Geschäftsmodell" einfach nicht auf Dauer.

Natürlich wäre es uns auch lieber gewesen, unser Konzept für die Abendküche auf drei oder fünf Jahre hin anzulegen und so ein paar schlechte Jahre wegstecken zu können. So war tatsächlich am Anfang auch der Plan. Die Krisen und Hürden, die wir auf dem Weg überwinden mussten, haben aber das Polster für schlechte Zeiten Stück um Stück reduziert. Am Ende waren es zu viele Krisen und Probleme auf einmal, so dass es bereits nach eineinhalb Jahren mit der Abendküche erst einmal nicht mehr weiter geht.

Geplant war dieser Schritt dann für den August, aber durch eine kurzfristige längerfristige Erkrankung in Verbindung mit dem aktuellen Personalmangel in der Küche müssen wir diesen Schritt leider um zwei Wochen vorziehen, so dass bereits ab Ende Juli nur noch ein Notbetrieb am Abend angeboten werden kann.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Kunden unserer Abendküche. Ebenso sind wir sehr dankbar für all die positiven, aber auch die konstruktiven kritischen Rückmeldungen, die wir uns immer zu Herzen genommen haben. Und nicht zuletzt erhalten wir den Großteil der Angebote im buch7-Kulturbahnhof, seien es Laden, Café, Frühstück oder Kulturprogramm aufrecht.

Auch wenn es für uns selbst ein schwerer Schritt ist: Wenn man unausgetretene Pfade begeht, wäre es überraschend, wenn man immer gleich auf Anhieb die perfekte Route finden würde. Solche Rückschläge lassen sich wohl nicht immer ganz vermeiden. Aber gerade wenn unser Weg, aus dem alten Bahnhofsgebäude ein lebendiges Kulturzentrum mit vielen attraktiven Angeboten drumherum zu machen, manchmal steinig ist, freuen wir uns umso mehr über jede Unterstützung aus Langweid und dem Umkreis. Unser Ziel bleibt dabei bestehen: Den buch7-Kulturbahnhof zu beleben, das historische Gebäude wieder zum Treffpunkt für Menschen zu machenund dabei unsere Werte zu leben und zu vermitteln.


Unsere Öffnungszeiten

Café, Bio- und Unverpackt-Laden: Mittwoch bis Sonntag von 9:00 bis 18:00 Uhr.
Frühstück: Mittwoch bis Sonntag 9:00 bis 12:00 Uhr

Unsere Karte

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