Ein Gebäude mit Geschichte

Wie aus dem Bahnhof in Langweid der buch7-Kulturbahnhof wurde


Der Bahnhof in Langweid hat schon vieles erlebt: Kaiser Willhelm II. und Prinzregent Luitpold, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, leider auch das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder und die Wiedervereinigung. In den Bauplänen haben wir eine Unterschrift von 1914 von einem kgl. (königlichen) Bauamt gefunden. Das Finanzamt hat anscheinend sogar Hinweise auf eine Erbauung im Jahr 1908 gefunden. Es war die Zeit, als man gerade anfing, die Fundamente aus Beton zu gießen und Wände durch Stahlträger abzufangen, aber die Keller noch als Gewölbe ausführte und die Wände natürlich sehr dick und aus Ziegeln waren, ganz ohne Luft oder Löcher.


Wir können uns heute darüber freuen, denn es ist kein Zufall, dass der Bahnhof heute noch steht. Er wurde wirklich schon damals für die Ewigkeit, oder zumindest für an die 100 Jahre gebaut. Zwischendrin wurde der Bahnhof intensiv genutzt, als Warteraum, zum Verkauf der Fahrkarten, für die Streckentechnik und natürlich als Wohnraum für das Bahnpersonal. In den 60er-Jahren war man offensichtlich der Meinung, dass altmodische runde Eingangs-Portale nicht mehr dem geist der Zeit entsprechen und zog stattdessen schön eckige Betonstürze ein. Insgesamt wurde der Bahnhof in den vergangenen Jahrzehnten eher brachial renoviert, so dass wir von der alten Innenausstattung nur noch die Massivholz-Treppe erhalten konnten. Sehr vieles von der historischen Substanz an Möbeln, Fenstern und Türen war schon verloren oder nicht mehr zu retten. Die Bahn hatte kaum noch Verwendung für den Bahnhof, so dass er in den letzten Jahrzehnten kaum noch gepflegt wurde (aber neue Brandschutz-Türen wurden eingebaut, Sicherheit muss ja sein). Parallel fraß sich der Holzwurm (genauer der Hausbock) durch die Balken des Dachgeschosses und das undichte Dach führte zu großen Wasserschäden an Holzböden und auch den tragenden Holzbalken.


Da war es ein Glücksfall, dass die Gemeinde Langweid sich um 2010 entschied, den Bahnhof von der Bahn zu kaufen, eher als günstige Dreingabe zu den benötigten Flächen für einen P+R-Platz. Es fiel die Entscheidung, das historische Gebäude nicht abzureißen und durch die Sanierung von Dach und Fenstern wenigstens die äußere Hülle wieder herzustellen.


Die Kultur zieht ein


Einige Jahre später fand sich ein Team engagierter Menschen und ein Sponsor, um den Bahnhof auf Erbpacht zu übernehmen und dort die buch7-Kulturbahnhof gemeinnützige GmbH anzusiedeln. Nach anfänglich optimistischen Plänen (unter 100.000 € war die erste Schätzung) stellte sich schnell heraus, dass eine Kernsanierung nötig war. Sämtliche Wasser- und Stromleitungen mussten ausgetauscht werden, der Putz fiel überall von den Wänden und musste komplett erneuert werden, sämtliche Böden waren marode, manche der tragenden Balken noch dazu. Heizung ab es keine (wenn man von den Öl-Öfen in einzelnen Räumem absieht) und im Dachstuhl fraß sich fröhlich der Holzbock durch die Balken, so dass man ihn teilweise sogar dabei hören konnte. Es war ein hartes Stück Arbeit nicht nur für das Gründerteam, sondern auch für die vielen Handwerker, die oftmals das gemeinnützige Projekt mit Sonderkonditionen unterstützten.


Nach einem Jahr konnte der Probebetrieb in den ersten Teilbereichen starten, nach zwei Jahren war der Großteil abgeschlossen, auch wenn wir an Kleinigkeiten hier und da noch arbeiten. Aber bereits jetzt ist der Bahnhof auf drei Stockwerken voll genutzt:


  • Eine Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss,
  • Büroräume im Obergeschoss,
  • ein Café mit Laden und Veranstaltungsräumen im Erdgeschoss sowie die
  • neue Terrasse auf der Westseite.


Neben neuen Böden (traditionelle Holzdielen und für die Bauzeit typischer Terrazzo in den Nass- und Verkehrsräumen) und komplett neuer Sanitär- und Elektroinstallation verfügt der Bahnhof auch über eine moderne und flexible Medientechnik für Veranstaltungen sowie über vollautomatische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, die umweltschonend für frische Luft sorgen.


Da geht doch noch was...


Für die Zukunft gehen uns die Ideen aber noch nicht aus. Es ist angedacht, den Gewölbekeller (ca. 25 m²) als Erweiterungs-Raum herzurichten. Im Außenbereich ist ein Wintergarten geplant, um zusätzliche Fläche zu gewinnen und das Café durch getrennte Räume gleichzeitig zu Veranstaltungen betreiben zu können. Auch der Außenbereich soll einladend und naturnah gestaltet werden, aber alles wollen wir hier noch nicht verraten, es soll ja spannend bleiben. Wir freuen uns aber immer über Ideen und Anregungen - und ganz besonders natürlich über tatkräftige Unterstützer sowie freundliche Mund-zu-Mund-Propaganda, damit der Bahnhof am besten auch in noch einmal 100 Jahren noch steht und lebt.


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